Kabhi Alvida Naa Kehna - KANK
Story
Die Erwartungen konnten höher kaum sein. Sogar ein Karan Johar kam ins Schwitzen, wenn er an die Premiere seines hochkarätig besetzten Film dachte. Verständlich, denn mit 450 Millionen Ind. Rupien Produktionskosten (10% über Budget), sind viele Hoffnungen, Träume und natürlich finanzielle Interessen an einen Film verbunden. Es ist Indiens "Titanic", wenn man so will. Wer würde da nicht ins Schwitzen kommen?
Den Plot kennt man als Fan schon seit Wochen, wenn nicht Monaten. Die Wege zweier Paare kreuzen sich.
Dev Saran (Shahrukh Khan) und Rhea (Preity Zinta) sind seit fünf Jahren verheiratet. Er ist ein bekannter Fußballer in New York, der gerade einen 5-Millionen Dollar Vertrag unterschrieben hat und sie führt erfolgreich ein Modemagazin. Die Familie wird durch den gemeinsamen Sohn komplettiert, aber ein wirkliches familiäres Zusammenleben findet nicht statt.
An einem Frühlingstag, als Dev seine Mutter von einer Hochzeit abholen will, wo sie für das Catering verantwortlich ist, trifft er auf Maya (Rani Mukherjee). Sie ist die Braut. Maya hat sich nach drei Jahren des Überlegens doch noch dafür entschieden ihren guten Freund Rishi (Abhisheck Bachchan) zu heiraten, der sie unendlich liebt. Der humorvolle Dev und die von Zweifeln geprägte Maya kommen ins Gespräch. Er erkennt ihre Zweifel schnell und gibt er ihr den Rat, nicht auf die große Liebe zu warten, die vielleicht niemals käme. Lieber solle sie ihren besten Freund heiraten und so der "kleineren" Liebe eine Chance geben. Er verheimlicht nicht, dass auch seine Ehe keine perfekte ist. Er scheint aber auch nicht mehr zu erwarten. Maya solle sich auch keine Gedanken machen, was passiert wenn sie doch noch ihre große Liebe findet, denn wer nicht nach dem Traumprinzen sucht, wird ihm auch nicht begegnen.
-Schnitt-
Als nächstes sieht man nur wie Dev aus der Einfahrt des Hauses tritt und von einem Wagen angefahren wird.
Vier Jahre später...
Aus dem erfolgreichen, lachenden Fußballer ist ein zynischer, permanentfluchender Krüppel geworden, der niemanden seine Freuden gönnt. Die Distanz zu seiner Frau ist noch größer geworden, ihr Aufstieg hält ihm seine Unvollkommenheit wie ein Spiegel vor den Augen. Er hat sich von dem Unfall eine schwere Beinverletzung zugezogen, die das Ende seiner Karriere bedeutete. Rhea hat noch weniger Zeit für ihren Mann und ihren Sohn, was Dev zu noch mehr zynischen Bemerkungen ihr gegenüber veranlasst und das tagtäglich. Und auch vor seinen Sohn macht seine Wut keinen halt. Der Ex-Fußballer, der jetzt eine Kindermannschafft trainiert, fühlt sich zum "Kindermädchen" degradiert und nimmt jede Erfolgsnachricht seiner Frau mit verhassten Kommentaren auf.
Währenddessen führt Maya eine unglückliche Ehe mit Rishi und merkt dass sie beide kaum Gemeinsamkeiten haben. Er ist Besitzer einer PR Agentur, die auf Parties und Veranstaltungen spezialisiert ist. Sie ist Kindergärtnerin und hat nichts für die Glamourwelt ihres Mannes übrig. Ihre Unvollkommenheit - sie kann keine Kinder kriegen - will sie mit einem sauberen, perfekten Haushalt kompensieren. Sie denkt durch Diskussionen ihre Ehe retten zu können. Rishi hält sie für eine übertrieben nachdenkliche und analysierende Frau, die Null Leidenschaft in die Ehe bringt. Trotz ihrer Unterschiede liebt er sie unendlich und würde sie gegen nichts auf der Welt eintauschen wollen.
Jetzt wird's spannend
Durch einen lustigen Zufall begegnen sich Dev und Maya im Krankenhaus wieder, als Verletzte. Die Begegnung ist alles andere als schön, aber der Anfang einer unglaublich faszinierenden Geschichte. Ein Zyniker und eine Kindergärtnerin mit Putzfimmel freunden sich an. Treffen sich einmal, dann häufiger und beginnen an ihren Ehen zu arbeiten. Ernshafte Versuche geraten zu Albträumen, aber sie geben nicht auf, bis sie merken...
Performances
Shah Rukh Khan:
Verläßlich gut, teilweise sehr gut. Der alte wütende Shahrukh schimmert einbißchen durch. Die Rolle ist aber keine wirkliche Herausforderung für den King of Bollywood.
Rani Mukherjee:
Sehr gut, fast makellos. Sie füllt ihren Charakter mit Leben. Der kurze Auftritt von Kajol in einem Lied erinnert aber daran, dass sie die eigentliche Wahl für die Rolle war und vielleicht dem Film noch mehr Auftrieb gegeben hätte.
Preity Zinta:
Spielt ihre Rolle perfekt und überzeugend. Die Rolle ist weniger komplex als die von Rani.
Abhishekh Bachchan:
Tanzszenen scheinen ihm mehr und mehr zu liegen. Er macht seine Sache gut. Seine Rolle gerät einbisschen unter die Räder zwischen der brillierenden Rani Mukherjee und dem schimmernden Star Amitabh Bachchan.
Amitabh Bachchan:
Sein Playboy-Charakter wirft einpaar Fragen auf. Er spielt ihn jedenfalls fehlerlos. Interessant scheint, er ist wohl der einzige Star über 60, der es sich erlauben kann so eine Rolle zu spielen, ohne zum Bösewicht degradiert zu werden.
Kiron Kher:
Zweifellos tolle Performance in ihrer Nebenrolle. Erinnert stark an ihre tolle Arbeit in Hum Tum.
Der Zuschauer identifiziert sich mit dem einen und dann doch mit dem anderen Charakter... und merkt plötzlich, dass er auf der Seite des Bösen steht. Gibt es in diesem Film überhaupt Gut und Böse? Man möchte die Frage verneinen, aber der Film macht es einem nicht einfach.
Trotz einer ernsten und weltweit verstandenen Geschichte über die Liebe, Hochzeiten, Rollenverteilung kommt der Humor in diesem Film nicht zu kurz. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass der Geschichtsschreiber und Regisseur auf in einigen Szenen auf Bilder von Filmen wie Kuch Kuch Hota hai, Kal Ho Naa Ho, Hum Tum, Veer-Zaara und auch K3G zurückgreift. Was diesen Film aber unterscheidet ist, seine Ehrlichkeit. Okay, ich meine nicht, dass die Paare in typischen indischen Verhältnissen leben und auch haben sie kein durchschnittliches Einkommen, auch nicht das Ney Yorker Einkommen. Die Häuser sind vielleicht sogar noch größer und prachtvoller als in K3G. Aber Karan Johar beweist Mut, eine so ehrliche Geschichte zu erzählen und mehr als nur unterhalten zu wollen. Klar kann man den Film sehen, drei nette Stunden im Kino verbringen und draussen alles vergessen. Aber nicht wenige werden aus dem Kinosaal raus gehen und ihre Sicht, vielleicht sogar ihre momentane Beziehung unter den Aspekten im Film analysieren.
Laut des Regisseurs geht es um die Fragen, ob eine Hochzeit aus reinen Vernunftgründen wirklich der sichere Weg ist. Und was tut man, wenn man Jahre später merkt, man hat den falschen Mann oder die falsche Frau geheiratet? Die indische Antwort heisst hier nicht unbedingt Scheidung. Überlegt man weiter, kommt man aber auch auf die Frage: Ist eine Liebeshochzeit die beste Lösung? Schaut man sich die Scheidungsraten in Deutschland oder irgendeinem anderen westlichen Land an, wird man diesem Weg nicht unbedingt zustimmen.
Verflixt dieser tolle Geschichtenerzähler hat es meiner Meinung nach geschafft, eine Story so zu verfilmen, dass man mit mehr Fragen aus dem Saal rausgeht als reingekommen ist. Er hat sich nicht neu erfunden, ganz bestimmt nicht. Kritiker werden sagen, dass er mit KANK in die selbe Kerbe schlägt, wie mit seinen anderen Liebesfilmen. Sie haben nicht ganz unrecht, aber gleichzeitig stellt er klare Fragen an den Zuschauer auf die Herausforderungen des Lebens. Fragen, denen jeder von uns schon mal begegnet ist.
Quelle:happyindia.de
